Plötzlich klappt es nicht mehr wie gewohnt. Die Arbeit im Haushalt geht nicht so flott von der Hand und auch die Mobilität ist eingeschränkt. Eine Pflegebedürftigkeit aufgrund von Erkrankung, Alter oder Unfall steht im Raum. Pflegende Angehörige, aber auch die Pflegebedürftigen, stehen vor neuen Herausforderungen und Belastungen. "Bei der älteren Generation wird der Begriff Pflege nicht selten noch als Makel empfunden. Allein nicht mehr zurechtzukommen, ist ein Zustand, den ältere Menschen so lange wie möglich nicht offen ansprechen, während es die eigenen Kinder oder der Ehepartner längst registriert haben", sagt Karin Müller, Sozialarbeiterin bei der Caritas Moers-Xanten.
Der Rollentausch ist die Folge, wenn sich Kinder dann um ihre Eltern kümmern. Er kann zur Überforderung führen, wenn zusätzlich eine demenzielle Veränderung festgestellt wird. "Ziel unserer Beratung ist, den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen mit allen möglichen Mitteln und ambulanten Hilfen zu unterstützen, damit ein Leben so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden und der gewohnten Umgebung gegeben ist", sagt Karin Müller. Zur ambulanten Pflege gehört die medizinische, pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung. Oft sei nicht bekannt, wie Anträge bei der Pflegekasse zu stellen sind, welche Kosten übernommen werden, wo es Entlastungen für pflegende Angehörige, wie etwa eine Kurmaßnahme zum Erhalt der Pflegefähigkeit, gibt. Im Dschungel all dieser möglichen Leistungen verstehen sich Karin Müller und ihre Kolleginnen Birgit Meschendörfer (Senioren- und Wohnberatung), Alice Püplichhuisen (Fachdienstleitung Migration, Sozialraum, Integration, Seniorenberatung) und Regina Wortmann (Kur- und Seniorenberatung, Gesprächskreis pflegende Angehörige) als Lotsen."Wir können auf ein gut funktionierendes Netzwerk bauen und verschiedene Dienste zusätzlich einschalten." 70 Prozent ihrer neutralen Beratungen zu Dienst-, Geld- und Sachleistungen und der Kombinationsleistungen geschehen bei Hausbesuchen.
Beratungen im Caritas-Seniorenbüro Sie geben Informationen rund um das Thema Pflege. Dazu zählen Leistungen der Pflegeversicherung wie Pflegegeld, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege oder Leistungen bei Demenz. "Wir helfen bei der Antragstellung zur Finanzierung von Pflegeleistungen und begleiten das Verfahren auch bei Widersprüchen", so Karin Müller. "Wichtig ist bei den Beratungen die Frage, was kann der Betroffene nutzen und was steht ihm zu und wer leistet diesen Dienst", so Karin Müller. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der verschiedenen Leistungen ist die vorherige Einstufung der Pflegebedürftigkeit über den Medizinischen Dienst (MD).
Wohnberatungen vor Ort Sie dienen dazu, das Wohnumfeld der Lebenssituation des Antragsstellers anzupassen. In Absprache mit dem Vermieter kann beispielsweise die barrierefreie Umgestaltung eines Badezimmers erfolgen. So ist durch Umbauten die Bewegungsfreiheit mit Rollstuhl oder Gehhilfen gegeben. Bis zu 4000 Euro sind für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen möglich. "Wichtig ist, dass keine der Maßnahmen vor Bewilligung begonnen werden", ergänzt Alice Püplichhuisen. Zusätzliche Hilfsmittel wie Toilettensitz, Halte- und Stützgriffe können beantragt werden. Die Pflegekasse übernimmt die Kosten in Teilen, wenn eine Einstufung in Pflegegraden 1 bis 5 vorliegt. Weitere Hilfsmittel wie Hausnotruf, Treppenlift oder Elektromobil sind möglich. "Für manche ist im Vorfeld eine Verordnung des Hausarztes nötig, der die Notwendigkeit der Hilfsmittel bestätigt. Sie tragen wesentlich zur Entlastung der Betroffenen und Pflegepersonen bei", so Karin Müller.
Beratung der Angehörigen Sie zielt darauf ab, das Umfeld der Betroffenen so lange wie möglich intakt zu halten, Stolperstellen auszuschalten und die Selbstständigkeit zu fördern und zu erhalten. "Vor allem pflegende Angehörige brauchen Entlastungsmöglichkeiten, Unterstützungsangebote und das Wissen, wo sie Hilfe bekommen. Vieles ist unbekannt", sagt Regina Wortmann. "Gerade in der Pflege von Angehörigen sind schnell Grenzen erreicht." Zu Gesprächskreisen unter "Gleichen" gehören Beratungsangebote wie eine Kurmaßnahme für pflegende Angehörige, die Beantragung von Verhinderungspflege bei Urlaub oder Krankheit sowie die Kurzzeitpflege, um diese Auszeit zu gestalten. Bis zu 1612 Euro sind möglich, werden verschiedene Voraussetzungen erfüllt. Die pflegebedürftige Person muss beispielsweise mindestens den Pflegegrad 2 haben. "Die Verhinderungspflege durch Pflegedienste ist auch stundenweise abrufbar", so Regina Wortmann.
Weitere Angebote im Augustatreff sind bewusst niederschwellig. Dazu gehört unter anderem das offene Café. "Seit Corona haben die komplexen psychosozialen Problemlagen zugenommen. Das Treffen im Café mit Gleichaltrigen hilft gegen Einsamkeit. Verschiedene Sorgen, persönliche Krisen oder Geldnöte kommen zur Sprache", betont Alice Püplichhuisen.
So ist das Caritas-Seniorenbüro erreichbar
Die Bandbreite verschiedenster ambulanter Hilfen und der finanzielle Rahmen von Leistungsarten ist für Außenstehende oft schwer zu durchschauen. Dazu bietet die Caritas Moers-Xanten neben Beratungen auch Info-Veranstaltungen im Verbund mit Kooperationspartnern an.
Das Caritas-Seniorenbüro ist erreichbar: Montag bis Donnerstag, 9 bis 16 Uhr, Freitag, 9 bis 14 Uhr. Hausbesuche nach vorheriger Vereinbarung. Weitere Infos unter 02841 8804831